Diese Seite soll dir Informationen darüber geben:

  • was eine Substitutionsbehandlung ist
  • wer sie anbietet
  • welche Ziele sie hat
Was ist eine Substitutionsbehandlung?

Eine Substitutionsbehandlung ist für Menschen gedacht, die über einen längeren Zeitpunkt hin Heroin nehmen und davon abhängig werden. Sie hilft nicht bei einer Abhängigkeit von Kokain, Alkohol, Tabletten oder Amphetaminen. Bei einer Substitutionsbehandlung wird das Heroin durch ein Medikament ersetzt (substituiert), das man von einem Arzt verschrieben bekommt. Folgende Medikamente stehen dabei als Ersatzstoffe (Substitute) zur Verfügung:

  • Methadon
  • Polamidon
  • Methaddict
  • Subutex (Buprenorphin) und Suboxone.

Durch die Medikamente verschwindet dein “Affe”, Du bekommst also keine Entzugserscheinungen und Du kommst auch ohne Heroin durch den Tag. Diese Mittel machen zwar auch abhängig, aber Du musst die Dosis nicht steigern, wie das beim Heroin meist der Fall ist. Nach einiger Zeit besteht die Möglichkeit, dass die vom Arzt verschriebene  Menge langsam gesenkt wird, bis du irgendwann vielleicht ohne Ersatzstoffe ein drogenfreies Leben führen kannst.

Wenn du krankenversichert bist, was in Deutschland Pflicht ist, übernimmt deine Krankenkasse die Behandlungskosten für die Substitution. Du musst nur die Rezeptgebühren bezahlen.

Ziele der Substitution

Methadon und Polamidon sind flüssige Lösungen und müssen getrunken werden. Subutex und Suboxone und Metheddict sind Medikamente in Tablettenform. Weil kein Substitutionsmittel gespritzt wird, kannst Du Dich nicht mit Krankheiten wie Hepatitis oder HIV anstecken. Außerdem ist die Einnahme von allen diesen Medikamenten vom Gesetzgeber erlaubt (insofern Du ein Rezept dafür besitzt). Nimmst Du also ein vom Arzt verschriebenes Substitutionsmittel, so machst Du Dich nicht strafbar. Der Kauf oder Verkauf auf dem Schwarzmarkt ist allerdings verboten! Die Substitution bietet Dir also eine Möglichkeit, erfolgreich vom Heroin loszukommen. Deshalb brauchst Du kein Geld mehr für Heroin. Du hast die Chance, dein Leben neu zu regeln und vielleicht wieder zur Schule oder arbeiten zu gehen.

Du solltest Dir aber im Klaren darüber sein, dass die Behandlung teilweise Jahre dauert und keine schnelle Lösung deines Suchtproblems ist. Es gibt keine schnelle Lösung für Drogenabhängigkeit. Du brauchst also Geduld und Durchhaltevermögen.

Wer substituiert?

Wenn Du dich für eine Substitutionsbehandlung interessierst, kannst Du einen Termin bei einem substituierenden Arzt, oder einer Substitutionsambulanz vereinbaren, oder Dich an eine Drogenberatungsstelle vor Ort wenden, die Kontakt zu den Ärzten hält und auch oft über eventuelle freie Plätze im Substitutionsprogramm Bescheid weiß. In Nürnberg wäre dies z.B. die mudra Drogenhilfe. 

Der entsprechende substituierende Arzt wird dich untersuchen, mit Dir sprechen, wie die Substitutionsbehandlung abläuft  und die nötige Medikamentendosis festlegen. Um mögliche Überdosierungen zu vermeiden, ist die Dosis zu Beginn der Behandlung in der Regel erst niedrig und wird dann langsam so lange gesteigert, bis Du Dich wohl fühlst. Am Anfang der Behandlung musst Du täglich zum Arzt. Nach etwa sechs Monaten können die Abstände möglicherweise größer werden, wenn Du keine anderen Drogen (Alkohol, Tabletten, Kokain, Amphetamin oder Heroin) nimmst, dass heißt, wenn Du keinen Beigebrauch hast. Du kannst dann Dein Medikament für bis zu sieben Tagen mitnehmen (Mitgabe oder „Take Home“). Von Zeit zu Zeit wird der Arzt einen Urintest machen, um zu sehen, ob Du Beigebrauch hast.

Was ist mit Beikonsum?

Wenn Du nebenbei noch konsumierst, dann sprich mit deinem Arzt darüber. Er wird mit Dir gemeinsam eine entsprechende Lösung suchen. Es gibt z.B. auch die Möglichkeit seinen Beigebrauch zu entgiften. Streite es nicht ab, denn der Arzt findet es sowieso heraus – lügen oder verheimlichen schadet Dir nur und gefährdet wohlmöglich Deinen Substitutionsplatz. Der Arzt oder die Arzthelferin glauben Dir dann möglicherweise auch andere Dinge nicht mehr. Auf Tabletten und Alkohol solltest Du während deiner Substitutionsbehandlung ohnehin ganz verzichten, denn dies verträgt dein Körper nicht.

Im schlimmsten Fall kann Mischkonsum sogar zum Tode führen.

Was ist „Entzug“?

Wenn du mit dem Drogenkonsum aufhören oder eventuellen Beigebrauch entgiften möchtest (bei Substitution), oder einfach Deinen Körper wieder zur Ruhe kommen lassen möchtest, kannst Du Dich von einer Drogenberatungsstelle in eine Entzugsstation (Entgiftung) im Krankenhaus vermitteln lassen. Dort kannst Du unter ärztlicher Aufsicht, gegebenenfalls mit medikamentöser Unterstützung (z.B. Methadon) entziehen. Der körperliche Entzug dauert je nach Droge, eventuellem Mischkonsum mehrerer Drogen und Deiner regelmäßigen Dosis zwischen einer und drei Wochen.  Da aber Sucht nicht nur im Körper abläuft, sondern vor allem auch im Kopf, reicht ein Entzug für einen dauerhaften Erfolg selten aus.

Dann sind möglicherweise weitere Schritte erforderlich, z.B. eine Therapie.

Die psychosoziale Begleitung der Substitution

Neben der ärztlichen Behandlung benötigst Du noch eine „psychosoziale Betreuung“, diese wird von der Drogenberatung vor Ort (in Nürnberg: mudra Drogenhilfe) angeboten. Du hast in jeder Beratungsstelle die Möglichkeit, z.B. Gespräche zu führen und Dir bei Problemen mit Behörden, dem Arzt, oder bei Wohnungs- und anderen Problemen helfen zu lassen. Dort bekommst Du auch eine Bescheinigung ausgestellt, die Dein Arzt benötigt, damit die Krankenkasse Deine Behandlungskosten übernimmt („PSB Bescheinigung“).

Wenn Du noch Fragen zur Substitutionsbehandlung hast, wende Dich an die Drogenberatung vor Ort (in Nürnberg mudra Drogenhilfe). Dort hilft man Dir gerne.

(Übernahme, leicht geändert, mit freundlicher Genehmigung von indro e.V. Münster)