Szenetypische Erkrankungen

Unter Drogengebraucher_innen die sich ihre Drogen spritzen, kommt es oft zu Infektionskrankheiten, unter Umständen auch schon beim ersten Drogengebrauch. Diese Erkrankungen kannst Du teilweise durch Impfungen (Hepatitis A und B und Tetanus) vorbeugen.

Außerdem ist ein wesentlicher Gesundheitsschutz die Einhaltung der „safer-use“-Regeln!

Spritzenabszesse

Du erkennst einen Abszess an einer schmerzhaften, geröteten und geschwollenen Eiteransammlung, die sich sehr warm anfühlt und in der oft ein klopfender Schmerz zu spüren ist. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu Fieber und zu geschwollenen Lymphknoten kommen. Bei einem Abszess besteht die Gefahr einer Blutvergiftung. Wenn Du die Anzeichen für einen Abszess bemerkst, dann behandle ihn auf keinen Fall selbst, sondern suche sofort einen Arzt auf! Durch Spritzen unter hygienischen Bedingungen (sterile Spritze, Benutzung von Alkoholtupfern, saubere Löffel, Hände waschen etc.) und ruhiges und genaues Spritzen kannst Du Abszesse weitestgehend vermeiden!

Hepatitis

Hepatitis ist eine Entzündung der Leber. Sie tritt in verschiedenen Formen auf. Die häufigsten und bekanntesten Formen sind die Hepatitis A, B und C.
Folgende Symptome können bei Ausbruch der Krankheit auftreten:

  • Appetitlosigkeit
  • Erbrechen
  • Müdigkeit
  • Dunkle Gelbfärbung der Haut, der Schleimhäute und der Augen.

Oft verläuft eine Hepatitiserkrankung symptomlos oder die Symptome werden falsch gedeutet. Die verschiedenen Formen der Hepatitis haben teilweise unterschiedliche Übertragungswege.

Die Hepatitis A

wird durch eine Schmierinfektion übertragen. Du kannst Dir eine Hepatitis A auf einer unsauberen Toilette holen oder durch verunreinigte Lebensmittel, aber auch schlechte persönliche Hygiene begünstigt die Hepatitis A.
Zwar ist sie in den meisten Fällen in 6 Wochen ausgeheilt, aber es gibt auch chronische Verläufe, die lebenslang zur Beeinträchtigung der Lebensqualität führen.

  • Gegen Hepatitis A kannst Du dich impfen lassen.

Die Hepatitis B

ist durch den Kontakt mit Blut, Sperma, Vaginalsekret und Schleimhäute übertragbar. Ungeschützter Geschlechtsverkehr, ungeschützte sexuelle Praktiken (Blasen, Lecken etc.) und Küssen, gemeinsame Nutzung von Spritzenbestecken, von Zahnbürsten, Geschirr oder Rasierzeug begünstigen die Übertragung des Hepatitis B-Virus. Ca. 10 % der Hepatitis B-Infektionen verlaufen chronisch und fördern Leberkrebs und Leberzirrhose.

  • Es gibt eine Schutzimpfung gegen Hepatitis B.

Die Hepatitis C

ist eine Infektion mit Viren und erfolgt in erste Linie über Blutkontakt (z.B. bei der gemeinsamen Nutzung eines Spritzbestecks). Andere Übertragungswege sind seltener.
50 % der Infektionen mit Hepatitis C verlaufen chronisch. Die Hälfte dieser chronischen Verläufe führen zu Leberkrebs und Leberzirrhose

  • Es gibt KEINE Impfung gegen Hepatitis C.

Vorbeugen gegen Hepatitis

Gegen Hepatitis gibt es keinen absoluten Schutz. Du kannst Dein Infektionsrisiko erheblich verringern, indem Du:

  • mehr Wert auf Deine persönliche Hygiene legst (häufig waschen, WC und Dusche sauber
    halten)
  • eigene Zahnbürste und Rasierzeug benutzt
  • Kondome beim Geschlechtsverkehr (auch beim Blasen) verwendest,
  • Spritzbestecke und Löffel nicht mit anderen nutzt und diese immer hygienisch einwandfrei hältst
  • Dich gegen Hepatitis A und B impfen lässt.
HIV und AIDS

Die Abkürzung HIV steht für „Humane Immundefizienz-Virus“ oder auch „menschliches Immunschwäche Virus“. Es bezeichnet den Krankheitserreger, der nach einer Ansteckung lebenslang im Körper bleibt.

Ansteckungswege:

  • ungeschützter Sex (oral, vaginal und anal)
  • Mehrfachnutzung von Spritzen und Filter beim gemeinsamen Drogenkonsum
  • Mutter-Kind-Übertragung (In der Schwangerschaft, bei der Geburt und durchs Stillen. Übertragungsrisiko bei Betroffenen mit erfolgreicher Behandlung liegt bei unter 1%!)

Symptome:

In der akuten Phase (einige Wochen oder Monate nach der Infektion) ist die Zahl der Viren in deinem Blut sehr hoch, deswegen könntest du in dieser Zeit grippeähnliche Symptome verspüren. Oft vergehen aber auch Jahre ohne jegliche Anzeichen einer Infektion, während die HIV-Infektion einen ständigen Entzündungsprozess in deinem Körper verursacht.

Verlauf:

Ohne medizinische Behandlung kommt es im Laufe der Jahre zur Schwächung und schließlich zum Zusammenbruch des menschlichen Immunsystems. Diese Schwächung des Immunsystems hat zur Folge, dass sich  alle möglichen Krankheitserreger ungehindert im Körper ausbreiten können. Man spricht hier auch von dem Krankheitsbild  AIDS. Ohne einer HIV-Therapie würde dein Immunsystem so schwach sein, dass du für lebensbedrohliche Infektionen anfällig wärst und an AIDS sterben könntest.

Die gute Nachricht ist: Heute ist eine HIV-Erkrankung kein Todesurteil mehr! Wenn du folgende Punkte beachtest, dann stehen die Chancen gut, dass du nach 6 Monaten praktisch nicht mehr ansteckend bist und sich deine Lebenserwartung nicht von der anderer Menschen unterscheidet:

  • Suche nach der HIV-Diagnose möglichst schnell einen Arzt auf und fange am besten gleich mit der HIV-Therapie an.
  • Je weniger Zeit zwischen der Ansteckung und dem Beginn der Therapie vergangen ist, desto erfolgreicher wird die Behandlung.
  • Regelmäßige, lebenslange Einnahme der Medikamente ist essentiell für den Therapieerfolg!

Vorsichtsmaßnahmen:

  • Benutze Kondome!
  • Benutze nur eigene frische Spritzen und Filter!
  • Bei Schwangerschaft einen HIV-Test machen!

HIV-Test:

  • Ein HIV-Test ist erst 10 -12  Wochen nach einem Risikokontakt wirklich aussagekräftig. Man kann ihn kostenlos und anonym bei jedem Gesundheitsamt machen lassen und das Ergebnis in der Regel 1 Woche später abholen.

PEP:

  • PEP steht für „Post-Expositionsprophylaxe“ und ist eine Notfallmaßnahme, die nach einem Ansteckungsrisiko (ungeschützter Sex oder Nadelstichverletzung) verhindern soll, dass sich HIV im Körper einnistet.
  • PEP besteht aus HIV-Medikamenten, die so schnell wie möglich wenige Stunden nach dem Risikokontakt eingenommen werden müssen (spätestens 72 Stunden!) und 4 Wochen lang dauert.
  • Da jede Minute zählt, gibt es 24-Stunden-Dienste in Kliniken für die PEP-Notfallhilfe!