Auf den ersten Blick sieht alles ganz eindeutig aus: Kaufen, Verkaufen, Besitzen, Herstellen und Anbauen von Drogen sind verboten. Auch das Verschenken ist verboten! Du kannst Probleme mit Polizei und Justiz bekommen. Das ist im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) geregelt.

Was ist aber, wenn du gegen dieses Gesetz verstößt?

Du wirst mit Drogen von der Polizei erwischt. Was passiert jetzt?

Du wirst von der Polizei befragt.

Oder: Du bekommst einen Fragebogen, den du ausfüllen musst.
Die Befragung hat zwei Teile:

  • Personalien – dein Name, Geburtsdatum, Geburtsort, Adresse… Diese Fragen musst du richtig beantworten. Und du musst deinen Ausweis zeigen!
  • Angaben zur Tat – woher hast du die Drogen? Wie oft nimmst du Drogen?...

Bei diesen Fragen wird es schwierig.

Du hast zwei Möglichkeiten:

Entweder: Du machst bei der Polizei Angaben und beantwortest die Fragen.
Oder: Du verweigerst die Aussage und sagst nichts.

Aussagen? Nicht Aussagen? Was ist besser?

Es gibt keine richtige Antwort. Manchmal ist eine Aussage besser. Du bekommst dann vielleicht eine geringere Strafe. Manchmal ist Schweigen besser.

Warum?

Wenn du zugibst, was du gemacht hast, bekommst du vielleicht eine höhere Strafe. Zu einer Aussage zwingen kann dich die Polizei nicht!

Tipp: Sprich mit einer Vertrauensperson oder geh zur Drogenberatungsstelle. Dort wird dir geholfen. Auch ein Anwalt kann dir helfen. Den Anwalt musst du aber bezahlen,  dieser bekommt deine Akte vom Gericht und wird dich beraten.

Achtung!!! Die Polizei schreibt alles auf. Überlege genau, was du sagst.

Wenn die Polizei bei dir Drogen gefunden hat…

Du unterschreibst ein Formular für die „formlose Einziehung“ der Drogen. Das bedeutet, die Polizei nimmt dir die Drogen weg. Du bist damit einverstanden.

Wenn Du nicht unterschreibst, bedeutet es, dass du nicht einverstanden bist. Die Polizei nimmt dir die Drogen trotzdem weg, diese bekommst Du sicher nicht zurück.

Unterschreiben ist schlauer!!! Lies dir das Formular noch einmal genau durch, bevor du unterschreibst und lass dir erklären, was du nicht verstehst.

Nach der Befragung durch die Polizei: Wie geht es weiter?

Du bekommst einen Brief von der Staatsanwaltschaft oder vom Gericht. Das kann eine „Anklageschrift“, ein „Strafbefehl“ oder eine „Mitteilung über die Einstellung des Strafverfahrens“ sein. Das dauert manchmal lange, vielleicht musst Du sogar ein paar Monate warten.

Achtung: Der Brief ist kompliziert geschrieben. Du musst den Inhalt genau verstehen! Wenn Du dir nicht sicher bist,  zeige den Brief einer Person, der du vertraust! Auch dem Anwalt. Brief und Briefumschlag bitte gut aufheben. Wenn du den Brief bekommen hast, warte nicht lange ab!

Anklageschrift– Es gibt eine Gerichtsverhandlung.

Strafbefehl– Du musst eine Strafe bezahlen.

Wenn du einverstanden bist, bezahlst du. Dann ist alles erledigt. Wenn du nicht so viel Geld hast, dann hast Du die Möglichkeit eine Ratenvereinbarung zu beantragen.

Wenn du nicht einverstanden bist, kannst du Einspruch einlegen.

Daraufhin kommt es zu einer Gerichtsverhandlung. Ein Rechtsanwalt kann dir helfen.

Einstellung des Verfahrens– Vielleicht bekommst du einen Brief vom Gericht, in dem steht: „…das Verfahren wird eingestellt…“, oder „…von der Verhandlung wird abgesehen…“ Das bedeutet: Es gibt keine Gerichtsverhandlung und du bekommst keine Strafe. Aber vielleicht bekommst du Auflagen (z.B. Arbeitsstunden, Auflagengespräche, …).

Achtung! Das bedeutet nicht: Es ist alles vergessen!

Die Polizei hat dich im Computer gespeichert. Wenn du wieder erwischt wirst, bekommst du sicher Probleme! Allerdings ist nie sicher, was genau passiert.

Sicher ist aber: Wenn du das erste Mal erwischt wirst, bekommst du weniger Strafe. Wenn du öfter erwischt wirst oder viele Drogen hast, wird die Strafe höher.

Du kannst dich von einem Rechtsanwalt beraten lassen.

Die Beratung beim Anwalt kostet ca. 80€. Wenn du kein Geld hast, um den Anwalt für die Beratung zu bezahlen, kannst du beim Amtsgericht einen Beratungsschein beantragen.

In dem Fall brauchst du für das Amtsgericht folgenden Unterlagen: deinen Ausweis, eine Bestätigung von deiner Schule, Ausbildung oder Arbeit (es muss ersichtlich sein, wie viel Geld du monatlich erhälst) oder dein ALG (I oder II) bzw. Sozialhilfe Bescheid. Außerdem brauchst du deine Kontoauszüge von den letzten 3 Monaten. Nähere Informationen zu den benötigten Unterlagen findest du auf der Webseite vom zuständigen Amtsgericht.

Für die einmalige Beratung mit dem Beratungsschein musst du zwischen 0 und 15€ zahlen (hängt von der Anwaltskanzlei oder der Stadt ab). Möglicherweise kannst du den Beratungsschein über deinen Anwalt beantragen: Frag ihn einfach!

Beim Rechtsanwalt

Falls nötig, kannst du einen Dolmetscher oder eine Vertrauensperson mit entsprechenden Deutschkenntnissen zum Rechtsanwalt mitnehmen.

Du kennst keinen Rechtsanwalt? Drogenberatungsstellen können dir helfen, einen Anwalt zu finden.

Bei der Gerichtsverhandlung

Dieser Rechtsanwalt kann Dich auch vor Gericht vertreten, oder Du bekommst möglicherweise einen Pflichtverteidiger. Auch bei der Gerichtsverhandlung kannst du auf einen Dolmetscher bestehen, falls deine Deutschkenntnisse nicht ausreichen sollten (ist auch sicherer). Diesen musst du aber selbst zahlen. Wenn Du eine Strafe bekommst, musst Du die kosten des Verfahrens (= Gerichtsverhandlung, Anwaltskosten) bezahlen. Das steht in der Strafprozessordnung (StPO).

Du kennst einen guten Rechtsanwalt? Er kann dein Pflichtverteidiger sein. Dafür musst Du einen Antrag an das zuständige Gericht stellen. Dein Rechtsanwalt hilft dir dabei.

Achtung! Wenn du den Brief vom Gericht bekommst:

Du willst selber einen Rechtsanwalt suchen? Du hast nur wenig Zeit. Also beeil dich.

Probleme mit dem Führerschein
  • wenn du mit Drogen am Steuer (Urin- oder Blutprobe) erwischt wirst oder
  • wenn du mit Drogen (Besitz, Kauf, Verkauf) erwischt wirst und deinen Drogenkonsum bei der Polizei zugibst

Polizei informiert auf jeden Fall die Führerscheinstelle.

Mögliche Folgen:
  • Du darfst dann keinen  Führerschein machen.
  • Du musst deinen Führerschein abgeben.
  • Deine Fahreignung (kannst du sicher, richtig und nüchtern fahren?) muss untersucht werden (Untersuchung musst du selber zahlen, diese ist sehr teuer).
  • Du musst beweisen, dass du keine Drogen mehr nimmst (Urintest, Haarprobe).
Brauchst du Hilfe?

Wenn du Hilfe und Unterstützung brauchst, gehe zu einer Drogenberatungsstelle. Die Drogenberatung ist kostenlos und vertraulich! Die Mitarbeiter haben Schweigepflicht! Was du erzählst, beleibt geheim, wenn du es willst. Drogenberatung per Email oder online ist möglich: